Mittwoch, 28. April 2010

Rekonstruktion und Dekonstruktion.

Zur soziologischen Analyse des aktuellen Städtebaus

Es gibt sicher viele soziologisch bemerkenswerte Phänomene der zeitgenössischen Architektur. Aber das nicht nur architektonisch, sondern auch gesellschaftstheoretisch – nämlich nicht zuletzt im sozialen Bewegungspotenzial – auffälligste Phänomen der mitteleuropäischen, zumal bundesdeutschen Gegenwartsgesellschaft ist derzeit wohl die Rekonstruktion historischer Gebäude und Stadtkerne. Eine Welle der Rekonstruktion erobert die Herzen der Bevölkerung und wird von ihr initiiert, während sich die ArchitektInnen zuweilen geschlossen dagegen stellen. Scharfe Töne fallen hier wie da. Und während das Konfliktpotenzial offensichtlich nur in der bundesdeutschen Architektur derart immens ist, wird andernorts vergleichsweise unspektakulär rekonstruiert: in den osteuropäischen Gesellschaften etwa in Moskau (Wiedererrichtung der Erlöserkirche), Vilnius (Plan der Wiedererrichtung des jüdischen Viertels), im polnischen Elblag (großflächige Rekonstruktion der zerstörten Stadt). Es gibt Rekonstruktionsbegehren auch in Frankreich, den Plan, die Tuilerien wiederherzustellen. Restauriert, rekonstruiert, wiederaufgebaut werden dabei sicher vor allem Gebäude des 18. und 19. Jahrhunderts. Aber auch die klassische Moderne hat ihre Rekonstruktionsprojekte – und ihre Dekonstruktionen, den Abbau vornehmlich, aber nicht nur der sozialistischen Ensembles. Beides ist aussagekräftig in Hinsicht auf das, was eine Gesellschaft für wertvoll erachtet: welches Gesicht und welche Geschichte sie sich gibt.

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