Montag, 10. Mai 2010

Centrum Galerie:

Abschied von der europäischen Stadt

Der holländische Investor Multi Development baute 2009 an der Prager Straße in Dresden eine Riesenshoppingmall mit einer Gesamtfläche von 52 000 qm Verkaufsfläche! Es mehren sich vermehrt Stimmen des Zweifels, ob solch ein massive mono-funktionale Nutzung und die innerstädtische Maßstäblichkeit völlig sprengenden Dimensionen wirklich gut für die Stadt sind. Lebendige städtische Vielfalt der traditionell europäischen Stadt mit Mischnutzungen sieht anders aus. Das sehr ausgedehnte Shoppingcenter als gewaltiger Eingriff ins innerstädtische Gefüge bedeutet einen ungeahnt strukturellen Angriff auf das herkömmliche Bild von "Stadt", als einem urbanen Raum verschiedener Akteure. Mit Stadtbaukunst, mit Städtebau im klassischen Sinne hat diese Centrum-Galerie wenig zu tun. Sie ist ein Verzichtserklärung städtischer Lenkungsmöglichkeiten zugunsten privater Investorenpläne und damit verbundener maximaler Renditeerwartung.

Auffallend daran ist der Einsatz von viel Glas, wodurch das Kaufhaus transparent wirken soll. Bewusst habe er die Betonung der horizontalen Linien wie an der Centrum-Galerie nicht übernommen, sondern stattdessen die senkrechten Achsen mit Säulen stärker betont

Wettbewerbstext für diesen Entwurf 2006:

Ort
(...) Das Ensemble Prager Straße ist einer der wichtigsten Beiträge der DDR-Moderne und solches bis heute erfahrbar. In diesem stringenten städtebaulichen Quartier in Plattenbauweise nehmen einige Gebäude durch ihre formale Gestaltung eine Sonderstellung ein. Sie sind Identifikationspunkte von hohem Wiedererkennungswert, wie z.B. das Rundkino und die kraftvolle Fassade des ehemaligen Centrum Warenhauses.
Der städtebauliche Kontext
Nach der Wende wurde durch ein neues städtebauliches Konzept die Weites des Raumes Prager Straße durch Rückbau auf das alte Profil an den Ende minimiert. Auf diese Weise entstand eine Platz-Strassenraum-Folge, die von der Spannung zwischen Enge und Weite lebt. Das ehemalige Centrum Warenhaus entspricht in seiner Struktur und in seinen Bezügen zu den öffentlich neu geschaffenen bzw. zu schaffenden Räumen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Außerdem steht es der Schaffung eines viel größeren städtischen Einkaufskomplexes im Wege.
Die Entwurfsidee und das Fassadenkonzept
Auf der Basis des genius loci konzipieren wir die Entwurfsidee.
In Anknüpfung an die ursprüngliche Planung wird der riesige Einkaufskomplex unter Wiederverwendung der ursprünglichen Fassade aus Aluminiumwaben - einer Collage gleich - in Aufriss und Tiefe gegliedert. Im Wechsel mit großzügigen Zugängen und transparenten Fassaden, die Einblicke in die Welt des Forums geben und einladen, entsteht eine bewegte, spannungsvolle und skulpturale Hülle. Diese wird dem Kontext der historischen Prager Straße gerecht und antwortet auf die neuen funktionalen und städtebaulichen Bedingungen. Hierfür werden 80% der 6700 qm vorhandenen Aluminiumwabenfassade benötigt.

Die oberen beiden Parkdecks werden weitgehend durch die ursprünglichen Fassadenelemente geschlossen. Die übrigen Flächen werden durch transluzente bzw. transparente, teilweise bedruckte Glaselemente ergänzt, die Ausblicke von den Parkdecks auf die belebte Prager Straße gewähren und nachts als Werbeträger markant leuchten. Geschlossene Wandflächen werden mit vorgehängten, rückseitig emaillierten Glaspaneelen bekleidet.

Die Eckausbildung mit den Aluminiumwaben in den Obergeschossen zu den städtebaulich wichtigen Orten Prager Platz und Dippoldiswalder Platz, sichern die Wiedererkennung. Der Kubus im Fußgängerbereich des Prager Platz sowie die leicht transluzente Fassade der Spindel schaffen neue Identifikationspunkte. Die Zugänge werden differenziert und in Bezug zu den erwartenden Besucherströmen mit besonderem Augenmerk zu Prager Straße und zu den beiden Plätzen angeordnet und schaffen so die Vernetzung der inneren Strukur.
Die innere Struktur und Wegeführung

Da es freigestellt war, sich im Zusammenhang der Außengestaltung auch mit der inneren Struktur und der Gestaltung der Wegeführung auseinander zu setzen, schlagen wir auf Basis der geplanten Nutzungsflächen eine modifizierte Wegeführung vor. Sie sichert zu einen die optimale Erschließung der einzelnen differenzierten Ladenflächen und schafft zum anderen für die Besucher eine interessante räumliche Führung, die durch eine adäquate Architektur das Innere mit dem Äußeren verknüpft. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf die Führung des Tageslichts gelegt.
Wir sind überzeugt, daß aufgrund der oft beklagten Weite in der Dresdner Innenstadt der Wechsel in eine spannungsvolle, an den Gründerzeitpassagen orientierte Maßstäblichkeit als wohltuend empfunden und angenommen wird.

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