Dienstag, 11. Mai 2010

Die Stadt - Vom werden und Vergehen



Anlass für diese Bestandsaufnahme ist die neue Rekordmarke, die die Urbanisierung im Jahr 2008 erreicht hat. Erstmals leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Jeden Tag kommen weltweit 190.000 neue Stadt- bewohner hinzu, jede Sekunde zwei. Dieser unaufhaltsame Prozess ist seit der industrialisierung im 19 Jahrhundert zu beobachten, hat aber in den letzten Jahrzehnten in den Schwellen-und Entwicklungsländern bisher ungekannte Ausmaße angenommen. Inzwischen gibt es 25 Megastädte, die mehr als zehn Millionen Einwohner beherbergen. Gleichzeitig zerfallen weltweit bestehende Städte, schrumpfen oder werden zerstört.

Die Stadt prägt den Planeten und jeden seiner Kontinente – in Afrika wächst sie am schnellsten, in Asien beherbergt sie die meisten Menschen, in Europa mäandert sie am weitesten ins Land hinein. Die Ostkreuz-Fotografen porträtie- ren den Menschen in seinem urbanen Umfeld, wie er etwa inmitten der chinesichen Steppe die Stadt Ordos mit mo- dernster Architektur und für eine Millionen Einwohner erbaut, die bislang jedoch niemand bezogen hat. Prypjat in der Ukraine hingegen wurde nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl von seinen Bewohnern verlassen und wird nun allmählich von der Natur zurückerobert. Die Menschen in Lagos in Nigeria leben dicht gedrängt zwischen gläsernen Bürotürmen und Bretterverschlägen. In den Slums von Manila ballen sich die Wellblechhütten zu Klumpen, während die Bewohner Detroits ihr Downtown verlassen, und so die Stadt aus der Mitte heraus zerfällt. Dubai in den Vereinig- ten Arabischen Emiraten wächst in atemberaubenden Tempo über sich hinaus. Der soziale Zusammenhalt im paläs- tinensichen Gaza zerbricht hingegen durch Kriege und Embargos. Las Vegas lebt ganz vom Anschein, Auroville aus dem Ideal und Atlantis vom Mythos. Die Anthologie der visuellen Essays ist eine Bestandsaufnahme. Sie gibt Zeugnis von den dramatischen Veränderungen, denen die Begriffe und Vorstellungen von der Stadt weltweit unterworfen sind.

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